Löwenrudel sind Großfamilien

Löwen sind die einzigen Katzen, die in dauerhaften Gemeinschaften leben. Solche Löwenrudel bestehen aus drei bis zwölf erwachsenen Weibchen mit ihren Jungen und meist zwei - aber auch bis zu sechs- ausgewachsenen Männchen. Innerhalb eines Rudels sind die Löwen recht friedlich. Außer Futterstreitigkeiten finden nur selten gewaltsame Auseinandersetzungen statt. Die Mähnenlöwen sind auch zu den Jungtieren des Rudels freundlich. Sogar wenn Löwinnen paarungsbereit sind, kommt es nicht zu Kämpfen zwischen den Männchen eines Rudels.

Trotzdem kann man in der Steppe immer wieder Mähnenlöwen sehen, die von Rivalen schwer verletzt wurden und es ist auch beobachtet worden, das männliche Löwen alle Jungtiere eines Rudels töten.

Dieser Mähnenlöwe prüft mit erhobener Nase den Wind. Obwohl sich Katzen weniger als hundeartige Raubtiere mit Hilfe ihres Geruchssinnes orientieren, spielen in ihrem Gemeinschaftsleben Duftstoffe eine große Rolle. Der Mähnenlöwe wittert einen Rivalen. Daraufhin geht er an einen Dornbusch und versprüht Harn. Auf diese Weise markiert der Löwe sein Revier.
Dann sträubt der Löwe seine dunkle Halsmähne und läuft drohend auf den Fremdling zu. Das noch junge Männchen duckt sich furchtsam nieder. Erst als es angegriffen wird, führt es einen Abwehrkampf gegen den überlegenen Revierinhaber.
Es wird nach einer kurzen Auseinandersetzung verjagt. Oft sind aber auch die Angreifer stärker, besiegen die Revierinhaber und übernehmen das Weibchenrudel.

Die Ursachen für dieses so unterschiedliche Verhalten der Löwen waren lange Zeit unbekannt, bis die amerikanischen Wissenschaftler Schaller und Bertram begannen, freilebende Löwenrudel viele Jahre lang zu beobachten und ihr Verhalten genau zu erforschen. Dabei stellten sie fest, daß die Löwinnen eines Rudels alle miteinander verwandt sind. Nie wird ein fremdes Weibchen in ein Rudel aufgenommen; die in einem Rudel geborenen Junglöwinnen bleiben in der Gruppe. Die Sippe der Weibchen bildet also den Kern eines Löwenrudels.

Männliche Junglöwen dagegen verlassen im Alter von drei Jahren das Rudel, in dem sie geboren wurden. Sie wandern gemeinsam umher, jagen in dieser Zeit ohne Hilfe von Löwinnen oder nehmen Hyänen und Geparden die Beute ab. Wenn sie fünf oder sechs Jahre alt sind, haben sie ihre volle Größe und Kraft erreicht. Nun dringen sie in die Reviere von Rudellöwen ein, verdrängen die einheimischen Männchen oder vertreiben sich nach heftigen Kämpfen. Finden die Eindringlinge in dem erkämpften Rudel Löwensäuglinge vor, so töten sie diese, während Löwenmännchen doch sonst zu Jungtieren freundlich sind.

Wie ist dieses Verhalten zu erklären?

Geduckt schleicht sich die Löwin an ein Beutetier heran. Die Löwinnen leisten die Hauptarbeit bei der Jagd, denn sie sind viel schneller und gewandter als die schweren Mähnenlöwen und haben den größeren Jagderfolg.

Löwenjunge sind zwanzig oder gar dreißig Monate lang von ihren Müttern abhängig. Solange die Löwinnen für ihre Kinder sorgen müssen, werden sie nicht paarungsbereit und bringen keine neuen Jungen zur Welt. Sterben die Jungen jedoch, so werden die Löwinnen schon nach wenigen Wochen wieder paarungsbereit und pflanzen sich fort. Die Beobachtungen in der Serengeti haben gezeigt, daß Mähnenlöwen, die ein Rudel erobert haben, diese Weibchengruppe nur drei Jahre lang halten können. Nach dieser Zeit werden sie von einer anderen Männergruppe wieder verdrängt. Die Mähnenlöwen bleiben also nur dreißig bis sechsunddreißig Monate Zeit, eigene Junge zu zeugen. Wenn die Löwinnen jedoch die Nachkommen der verdrängten Vorgänger pflegen, sind sie nicht paarungsbereit. Um sich die Möglichkeit der eigenen Fortpflanzung zu schaffen, töten daher die Eroberer die Kinder der vertriebenen Rivalen und versetzen damit die Löwinnen wieder in Paarungsstimmung. Zu den eigenen Jungen sind sie dann wieder so freundlich, wie es in vielen älteren Beschreibungen als das gewöhnliche Verhalten geschildert wird.

Durch solche Beobachtungen an Löwenrudeln und durch die Erforschung von staatenbildenden Insekten sind die Zoologen auf die große Bedeutung gestoßen, die verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Tieren einer Art für das Verhalten dieser Tiere haben.

Dies Löwin hat ein Gnu erbeutet und beginnt sofort ihre Mahlzeit. Sie versucht, möglichst viel Fleisch zu verzehren, bevor andere Rudelmitglieder ihr die Beute streitig machen.
Obwohl die zu einem Rudel gehörenden Mähnenlöwen nicht selbst jagen, beanspruchen sie einen Großteil der Beute. Sie sind so stark, daß sie den weiblichen Tieren das Fleisch abnehmen können.
Löwinnen und ihre Jungen. Die weiblichen Tiere bleiben meist ihr Leben lang zusammen, während die Männchen eines Rudels alle zwei bis drei Jahre wechseln.
Im Alter von etwa drei Jahren verlassen die jungen männlichen Löwen das Rudel ihrer Mutter und streifen gemeinsam umher. Sie leben nun in einem Männerbund.