| Die wichtigsten polnischen
Feste sind durch die christliche Tradition geprägt worden, deshalb
ist der Festtagskalender nicht anders als im übrigen Europa und im
Rest der Welt. Selbstverständlich gibt es spezifische, heimische
Komponente im allgemeinen Ritual, die nur für Polen oder manchmal
einige seiner Regionen typisch sind.
Zweifellos sind zwei Feiertage in Polen
am Wichtigsten - Weihnachten und Ostern. Stark verwurzelt in der historischen
und religiösen Tradition des Landes konnten sie der marxistischen
Indoktrinierung erfolgreich Widerstand leisten. Kein Pole, wenn auch
überzeugter Kommunist, konnte der fesselnde schönen Tradition
widerstehen, sich am 24. Dezember im Familienkreis am gemeinsamer Tafel
zu treffen, um die Oblate zu teilen. Die dünne, brüchige Oblate
hat einen beinahe mystischen Beigeschmack; mit den Fingern der einander
nahen Menschen gebrochen verbindet sie und zementiert Familien. An diesem
Tag, wie an keinem anderen, wollen die Menschen zusammen sein, auch
wenn sie zu diesem Zweck mehrere hundert Kilometer zurückzulegen
haben. Die Einsamkeit am Heiligabend (poln. wigilia) ist ganz gewiss
die bitterste Einsamkeit, die es geben kann.
Was ist denn für das gemeinsam
Feiern des Heiligenabends durch die Polen so charakteristisch? Vor allem
der Tisch, gedeckt mit einer schneeweißen, von der Stärke
knisternden Decke, unter die alle Traditionsanhänger eine Handvoll
Heu legen. Es ist mit Wahrsagerei verbunden. Wer nämlich unter
der Decke ein ausgetrocknetes Blümchen, eine Ähre oder einen
langen Halm findet, der kann alles Allerbeste während des kommenden
Neuen Jahres erwarten. Etwas trübe Perspektiven hat derjenige,
der einen gebrochenen Halm rauszieht. Auf dem Tisch nimmt der Teller
mit den Oblaten den Ehrenplatz ein. In einigen Kreisen, besonders unter
den Menschen, die aus dem ehemaligen polnischen Osten stammen, spielt
"kutia" eine ähnliche Rolle, ein spezifisches Gericht,
das aus Weizen, Mohn, Trockenfrüchten und Honig gemacht wird. Die
Kutia ist nicht jedermanns Sache, aber die Tradition lässt jeden
zumindest ein Löffel dieser Spezialität kosten. Oblate wie
Kutia sind nur Einführung zum eigentlichen Festessen am Heiligabend,
das nachdem das erste Sternchen auf dem Himmel erschienen ist, beginnen
kann, nach einem ganztägigen Fasten. Man darf sich also dem Appetit
der Gäste nicht wundern. Solange es möglich ist, sollen ganze
zwölf Gerichte auf dem Tisch erscheinen, wobei, anders als im angelsächsischen
oder romanischen Kulturkreis, kein Fleischgericht hier zu finden ist.
Keine Speise darf außerdem unter Verwendung eines Tierfettes zubereitet
werden. Das Essen beginnt mit einer Suppe. Am öftesten wird der
rote Borschtsch mit "Öhrchen" serviert, kleine ravioliähnlichen
Teigtaschen, die mit Pilzen gefüllt sind. Zahlreich sind ebenfalls
Anhänger einer klaren Pilzsuppe mit Nudeln; in einigen Regionen
serviert man eine Sauerkrautsuppe mit Pilzen. Der Suppe folgen Fleischgerichte,
davon ist der gebratene Karpfen am wichtigsten. Gerne werden auch Öl-
oder Sahneheringe verspeist. Es fehlt ebenfalls nicht an Variationen
zum Thema Hecht, der sowohl auf jüdische Art mit Rosinen und Mandel,
wie auch in Gelee oder gefüllt zubereitet wird. Zahlreiche andere
Weisen souffliert die Phantasie des Kochs. Aus diesen Grundzutaten ein
Repertoire von zwölf Gerichten zu schaffen ist keine geringe Kunst,
es gibt aber noch viele polnische Häuser, wo diese Tradition gepflegt
wird. Dieses Menü wird noch von zahlreichen Kuchensorten ergänzt,
wie z.B. Quarkkuchen mit getrockneten Südfrüchten, Mohnkuchen
und Rührkuchen. Zum Schluss kommt noch das Kompott aus Trockenfrüchten.
Danach werden unter einem glitzernden
Tannenbaum die Geschenke ausgepackt; manchmal bringt sie, meistens in
die Familien mit Kleinkindern, der Weihnachtsmann höchstpersönlich.
Der Familienvater übernimmt diese Rolle, und wenn es nicht möglich
ist, dann engagiert man eine andere Person, die den guten Alten mimt.
Um Mitternacht eilen alle Gläubigen, weit und breit in Polen, zur
Hirtenmesse, um in der Pfarrkirche das Jesuskind symbolisch zu begrüßen.
Später kommt die Nachtruhe und anschließend noch zwei Tage,
die mit Festessen und gegenseitigen Besuchen ausgefüllt sind. Um
noch zum Heiligabend zurückzukehren; im Volksaberglauben soll die
Mitternacht dieser besondere Zeitpunkt sein, zu dem Tiere das einzige
Mal im Jahr mit der menschlichen Stimme reden können. Die Bauern
besuchen aus diesem oder einem anderen Grunde an diesem Abend ihre Ställe
und teilen mit ihrer Herde die Reste der Weihnachtsoblate, damit die
Tiere im kommenden Neuen Jahr gesund bleiben.
Einen völlig anderen Charakter
hat Ostern. Im alten Polen wurde es von einer vierzigtägigen eher
genau beachteten Fastenzeit eingeleitet. Heute essen die polnischen
Kirchgänger nur am Karfreitag, dem Tag des Leidens Christi, kein
Fleisch. Eine Woche vor dem Ostersonntag wird der Palmsonntag gefeiert.
In Blumenläden oder vor den Kirchen kauft man dann symbolische
"Palmzweige", die an die triumphale Begrüßung Jesu
in Jerusalem erinnern. Oft sind es Erzeugnisse der Volkskunst von besonderer
Schönheit. In Polen ist die Region von Kurpie für die schönsten
und größten Palmen bekannt. Im kurpischen Dorf Lyse wird
ein Wettbewerb der Palmen nach dem Hochamt durchgeführt; zahlreiche
ausländische Gäste kommen zu diesem Dorf am Palmsonntag, um
die metergroßen Stücke zu bewundern. Die meisten preisgekrönten
Palmen stammen aus dem benachbarten Dorf Kadzidlo, wo auch diese ungewöhnlichen
Schaustücke in einem Museum aufbewahrt werden. In der letzten Zeit
sind die Palmen aus dem Wilnaer Gebiet besonders beliebt, die von dortigen
Polen mitgebracht werden.
Das Osterfest beginnt in Polen mit der
Auferstehungsmesse (polnisch rezurekcja) mit Prozession, die um sechs
Uhr morgens am Ostersonntag gefeiert wird. Die Feier dauert genügend
lange, um gleich nach der Heimkehr sich an den Frühstückstisch
zu setzen. Das Ostermahl wird in Polen swiecone (= Geweihtes) genannt.
Am Karsamstag werden kleine Körbchen, voll mit kleinen Portionen
von Speisen, die am nächsten Tag gegessen werden, in die Kirche
gebracht und dort geweiht. Heute sind diese "Geweihten" eher
symbolisch, sie erhalten zwei oder drei hart gekochte Eier, eine Brotscheibe,
Salz, manchmal ein Stück Wurst oder Kuchen. Früher besuchten
Pfarrer reichere Häuser der Gegend und zelebrierten eine Weihe
der gesamten Ostertafel. Zur Geschichte der Ostervöllerei gehört
die Erinnerung an die Festtafel beim Fürsten Radziwill. Die Anzahl
einzelner Speisen entsprach dein Zeiteinheiten, die innerhalb des Jahres
durch die Uhr oder den Kalender gemessen werden: es begann mit vier
Hirschen, die die Jahreszeiten symbolisierten und endete mit Bierseideln,
die den Minuten entsprachen. So phantasievoll pflegten polnische Adlige
die Festtage zu feiern. Heute isst man glücklicherweise viel bescheidener
und mehr den modernen Diätprinzipien zuliebe, obwohl ein sehr breites
Spektrum von Fleisch- und Wurstsorten auf dem Ostertisch vorhanden ist.
Gleich nach dem symbolischen Osterei wird Schinken, Selchfleisch, Wurst
und Sülze gegessen. Wer sich leisten kann, stellt auf die Tafel
eine Schüssel mit dem gebratenen Ferkel, in dessen Maul das bunte
Osterei steckt. Um viele Fleischsorten besser zu vertragen, werden rote
Rüben mit Meerrettich serviert, die traditionelle "cwikla".
Das Frühstück endet mit typischen Ostergebäck: Osterkuchen
"mazurek", berühmter polnischer Hefenapfelkuchen "baba"
(richtig gebacken sollte er auf der Zunge vergehen). Den Ostertisch
ziert eine Zucker- oder Gipsfigur vom Osterlamm, ergänzt durch
einen Buchsbaumkranz und einen Teller mit bunten Eiern. Diese -pisanki-
oder -kraszanki- sind ein Abschnitt für sich, wenn man die Ostertradition
beachtet. Nach der Meinung eines bedeutenden Forschers des altpolnischen
Brauchtums, Zygmunt Gloger, "ist der Brauch, Ostereier zu färben,
in Polen wahrscheinlich genauso alt wie die Einführung des christlichen
Glaubens". Schon früher waren sie bei den Slawen ein Sinnbild
der Fruchtbarkeit. Gefärbt wurden sie in Zwiebelschalen, im Sud
aus der Rinde wilder Apfelbäume oder Erlen, sogar aus Malvenblumen.
Das war nicht alles. Entsprechend der Begabung und der Fertigkeit ließ
man dann die bunten Eier mit feinsten Mustern zieren, die mit einem
dünnen Stichel ausgeratzt wurden. Manchmal wurde das Ornament noch
mit Wachs konserviert. In verschiedenen Regionen Polens finden wir ortsspezifische
Ostereier.
Am Ostermontag wird nicht nur der Völlerei
gefrönt. Der Brauch dieses Tages ist eine Freude für die Jugend,
manchmal aber eine richtige Qual für Ältere, die nicht mehr
imstande sind, sich dafür zu freuen, dass ein Wassereimer ihnen
über den Kopf geschüttet wird. Das ist nämlich leider
der Sinn von "smigus-dyngus", einer Sitte, die am Vormittag
dieses Tages alle andere mit Wasser begießen lässt, dazu
noch reichlich und bei voller Überraschung der anderen Seite. Smigus-dyngus
hat alle möglichen Formen: angefangen beim subtilen Besprengen
mit Parfüm durch einen vornehmen Onkel, bis zum Einwerfen eines
unvorsichtigen Mädchens in den Dorfteich durch ausgelassene Burschen.
Obwohl junge Damen demonstrativ kreischten, was dem kalten Bad zuzuschreiben
ist, waren die Mädchen meistens auf diese spezifische Auszeichnungen
stolz, weil die Jungmänner nur hübsche Mädchen auswählten:
je nässer war ein Mädel an diesem Tag, desto mehr Anerkennung
fand es bei dem anderen Geschlecht. Heute wird diese Sitte in Städten
durch dummdreiste Jungendliche leider oft missbraucht, die alle Passanten
mit Wasser begießen, manchmal sogar mit kochend heißem Wasser,
was entschieden nicht mehr sympathisch ist.
Die Osterfreunde müssen nun einer
Zeit der Nachdenklichkeit weichen, die die ersten Tage von November
mit sich bringen. Die Totenfeier wird für das älteste Fest
der Menschlichkeit gehalten. Es gibt Zeugnisse, die bestätigen,
dass bereits frühe Kulturen ihre Toten verehrten. Dieser Kult wurde
auch von slawischen Völkern übernommen. Aus dieser Urzeit
stammt die Totenfeier, die die Ostslawen Dziady nennen. An diesem Tag
brachte man zu den Grabstätten der Ahnen Gefäße mit
Speisen und auf diese Weise tafelte man sozusagen gemeinsam mit ihnen.
Allgemein wurden auch Geistern beschworen, indem die Seelen der Toten
nach heim eingeladen wurden. Die katholische Kirche hat diesen Kult
akzeptiert, ähnlich wie im Fall anderer tief verwurzelter heidnischer
Zeremonien. Am 2. November 998 ließ Odilo, der Abt von Cluny,
in allen ihm unterordneten Klöstern feierliche Gottesdienste für
die Seelen der Verstorbenen abhalten. Die Feierlichkeiten von Allerseelen
haben sich Enden des 13. / Anfang des 14. Jahrhunderts verfestigt, als
sie mit dem Fest von Allerheiligen verbunden wurden, das am 1. November
gefeiert wird. Dieser Brauch ist im polnischen Festtagskalender besonders
stark eingeprägt. An diesem Tag legen die Polen manchmal lange
Strecken zurück, nur um am Grab Nahestehender zu sein, ein Licht
anzuzünden und Blumen zu hinterlassen. Am öftesten werden
dazu die Wucherblumen verwendet, die in der Dämmerung inmitten
von Hunderten zitternder Flamen am Hintergrund der Kreuze sichtbar sind.
Die verstärkte Bewegung in Richtung von Friedhöfen lässt
zusätzlich Omnibuslinien in Betrieb setzen und die Rückkehr,
besonders aus größeren Städten, verlangsamen unendliche
Staus am Abend des 1. November.
Aus anderen Sitten, deren Ursprung zweifellos
heidnisch ist, ist das Sonnenwendfeuer (polnisch sobotka) zu erwähnen,
das durch christliche Kirchen als der Vorabend von Johannisfest anerkannt
wurde. Gefeiert wird es in der Nacht der Sommersonnenwende, vom 23.
auf 24. Juni, in der kürzesten Nacht des Jahres. Früher versammelte
das Sonnenwendfest die gesamte Jugend. Jungen zündeten Lagerfeuer
an und stellten ihre Geschicklichkeit zu Schau, indem sie durch Feuer
sprangen. Die Jungfrauen flechteten üppige Kränze und warfen
sie ins Wasser der Seen und Flüsse. Sie sagten über ihre Zukunft
aufgrund dessen voraus, wie weit ihre Kränze ankommen werden. Wenn
ein Kränzchen gleich am Ufer im Schilf steckengeblieben war, war
es kein gutes Omen für das betroffene Mädchen. Für Sonnenwendfeste
war ein in Schlesien liegender Berg in alten Zeiten besonders berühmt
- der Zobtenberg (Sleza oder Sobotka). In den Ostseestädten wird
die Johannisnacht zusammen mit dem Seefest gefeiert und ist oft Anregung
zur Veranstaltung eines feierlichen Umzugs der Segelboote sowie eines
Feuerwerks. Ähnlich wird es an Binnengewässern getrieben.
Das Kränzflechten ist heute schon sehr selten, keiner hat inzwischen
Lust, durch Feuer zu springen; übrigens entspricht es den gültigen
Brandschutzbestimmungen nicht. Es bleibt als nichts anderes, als einen
Spaziergang in den Wald in dieser Nacht zu unternehmen, um nach der
sagenhaften Farnblume zu suchen, die ihrem Finder alle seine Wünsche
erfüllt.
Eine besondere Bedeutung im polnischen
Festtagskalender hat das Fronleichnamsfest. An diesem Tag ziehen bunte
Prozessionen aus allen katholischen Kirchen Polens, begleitet durch
Glockentöne. Am wichtigsten in jeder Prozession ist die Monstranz,
die vom Pfarrer unter einem Baldachin getragen wird. Der Pfarrer wird
von verdienten Männern seiner Gemeinde gestützt. Den bunten
Umzug ergänzen Banner und Kirchenfahnen, lange Reihen kleiner Mädchen,
die Blumen streuen und junger Messdiener, die mit Glöckchen schütten.
Ihnen folgt die Menge der Gläubigen. Die Prozession besucht in
verschiedenen Stadtteilen aufgestellten
Altäre und kehrt anschließend zur Pfarrkirche zurück.
Besonders farbenreich sind die Prozessionen in Regionen, wo noch festliche
Volkstrachten getragen werden. So ist es in Podhale, am Fuß der
Tatra, sowie in der Gegend von Lowicz. Am bekanntesten ist Fronleichnam
gerade in Lowicz, dank dortiger bunten Folklore. Gerade hierhin kommen
also zahlreiche Touristen aus dem In- wie Ausland am Fronleichnam, die
nicht nur durch prächtige religiöse Riten, sondern auch kesse
Mädchen aus Lowicz fasziniert sind, die in gestreiften, mehrfarbige
Röcke und Westen gekleidet sind.
Was feiert man noch in Polen? Selbstverständlich
Neujahr, aber das Brauchtum ist nicht viel anders von dem, was in anderen
Ländern des Abendlandes getrieben wird. Das darauf folgende Karneval
ist nicht mehr dasselbe, was in Polen in alten Zeiten zustandekam. Die
Intensität des Karnevalstreibens war damals so groß, dass
sie die nach Polen kommenden fremden Reisenden überraschte. Unvorstellbare
Zechgelagen werden während der Fastnacht veranstaltet, die seit
dem letzten Donnerstag vor der Fastenzeit bis zum Aschermittwoch dauerten.
Am verrücktesten waren die letzten drei Tage, "ostatkie",
als man maßlos Tänzen und Narreteien frönte und auch
eine gut gedeckte Tafel mit viel Alkohol nicht vergaß. Man veranstaltete
Schlittenzüge, "kulig" oder "szlichtada" genannt:
die Teilnehmer brachen zur Fahrt verkleidet als Bauern, Juden und Zigeuner
auf, streiften einige Tage durch die Gegend und "überfielen"
ungeladen benachbarte Gutshäuser, wo alles Vorhandene ausgefressen
und ausgesoffen wurde. Dann nahmen die kulig-Teilnehmer die verblüfften
Gastgeber mit und suchten eine weiteres Gut heim und die Anzahl von
Gespannen und Schlitten, die am Zug teilnahmen wuchs von Tag zu Tag.
Es war manchmal so, dass die mit der Schlittenfahrt wie dem Tanzmarathon
ermüdete Gäste verfielen bei der letzten Station dem Schlaf
und lagen wo sie nur konnten und wollten, meistens auf dem Boden, wo
Heu und Strohgarben die Bequemlichkeit wegen ausgebreitet wurden.
Nach dem Aufwachen begaben sich alle
zur Kirche, um über ihre Köpfe die Asche streuen zu lassen,
was den Anfang der Fastenzeit bedeutet. Heute finden nur Standardfeten
während des Karnevals statt, meistens werden sie privat veranstaltet.
Große Bälle sind nicht häufig. Am letzten Donnerstag
vor Aschermittwoch vergisst kein Pole, mindestens einen Krapfen zu verzehren,
ein rundes Kleingebäck aus Hefeteig, mit Marmelade oder Konfitüre
gefüllt und in Schweineschmalz gebraten. Wie es allgemein bekannt
ist, bekommt man die besten Krapfen in der traditionsreichen Warschauer
Konditorei Blikle. An diesem Tag stehen vor der Konditorei Schlangen,
die nur mit denen vor dem Louvre zu vergleichen sind.
Zum Abschluss dieses kurzen Kompendiums
polnischer Feste und Bräuche wollen wir noch einige Sätze
der polnischen Kochkunst widmen, die, wie es deutlich zu sehen ist,
eng mit den Traditionen verflochten ist. Einiges wurde schon über
die festlichen Spezialitäten gesagt. Allerdings sind die Polen
auch im Alltag auf einige Gerichte stolz, die man ruhig allen Gourmets
und interessierten Liebhabern der Kochkunst empfehlen kann. Fast ein
Symbol der polnischen Küche ist das berühmte Scheinsrückenkotelett,
das fein zubereitet, mit Kartoffeln und Kraut serviert eine echte Rarität
sein kann. Wenn wir schon Sauerkraut erwähnen, dürfen wir
bigos nicht außer Acht lassen, eine schmackhafte, aromareiche
Speise aus Sauerkraut mit Pilzen, feinen Fleisch- und Wurstsorten, abgeschmeckt
mit Rotwein: von diesem Gericht träumte unser großer Dichter
Adam Mickiewicz im Pariser Exil und setzte ihm ein Denkmal in einem
der Bücher seines Epos Herr Thaddäus (Pan Tadeusz). Den Polen
schmecken ebenfalls ungemein die Pilze, deshalb kennt die polnische
Küche viele leckere Rezepte unter deren Verwendung. Der Duft von
getrockneten Steinpilzen ist ungewöhnlich und der Geschmack von
Reizkern, die in frischer Butter gebraten wurden, ist ebenfalls einmalig.
Die Polen pflegen ihre Gäste oft
mit übertrieben üppigem Menü zu empfangen. Die echt polnische
Gastfreundschaft mag also für einen ernährungsbewussten Ausländer
manchmal schwer erträglich sein. Was kann man dafür in einem
Lande, wo immer noch ein eiserner Grundsatz gilt - Gosc w dom, Bog w
dom (= Der Gast im Haus, der Gott im Haus). Zum Glück kann man
die dabei gewonnenen unnötigen Kalorien während einer Fußwanderung
durch schöne polnische Lande verlieren.
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