Hier haben wir Auszüge aus dem Buch -POLEN- von Andrzej Stachurski, einfach mal schnuppern...
Schnupper Text 01
Landeskunde
Die Halbinsel Hela kämpft seit Jahren gegen die Unersättlichkeit der sie umspülenden Ostsee. Diese Halbinsel ist ungemein malerisch, hier befinden sich mehrere Fischerhäfen, Kurorte und Modebäder. Im Sommer werden hiesige Strände von Massen der Polen besetzt. Es fehlen ebenfalls die Skandinavier nicht, die dieses um ein paar Grad als daheim wärmeres Meer loben, obwohl es nicht der einzige Grund ist, der Schweden oder Norwegen nach Polen lockt.
An der Südseite stützt sich Hela an die Danziger Bucht (Zatoka Gdanska), die zu den größten Meerbusen in diesem Teil der Ostsee gehört. Maximaltiefe, genannt Danziger Tief, beträgt 113 Meter, obwohl zwischen der Nehrung und dem Festland die Bucht relativ seicht ist, manchmal nur bis zu 5 Meter tief.
Die Dünen- und Seelandschaft ist für den gesamten Küstenstreifen charakteristisch. Sandige Kliffe, in die sich die durch den Kampf gegen den Wind zusammengerollten Kiefern krampfhaft eingegraben haben, gehört zu den typischen Bildern der polnischen Ostseestrände. Die Landschaft wird ebenfalls von den Treibsändern ungemein belebt, die durch keine Pflanzen befestigt werden und in der Form von Dünen existieren, die ununterbrochen ihre einmaligen Gestalten verändern. Dieses ungewöhnliche Naturereignis kommt vor allem in der Gegend von Leba in Slovinzischen Nationalpark vor. Eine echte Besonderheit des Nationalparks und das von einer europäischen Dimension, sind die bereits erwähnten Dünen, die von Treibsänder gebildet werden. Ihr Gebiet fasst einige hundert Hektar um. Diese Dünen werden wegen ihrer Ausmaße Lontzkenberge (Biale Gory) genannt. Die höchste der Dünen ist 56 Meter hoch und befindet sich in der Nähe des Dorfes Scholpin (Czolpino). Die unendlich wandernden Sänder führen einen siegreichen Kampf gegen die Pflanzenwelt. Zum Opfer fallen ihnen oft sogar ganze Waldteile, manchmal begraben die Dünen sogar menschliche Behausungen, die an ihrem Weg liegen. Jedes Jahr bewältigen sie eine Entfernung von ungefähr acht Metern.

Zum Schluss dieser kurzen Vorschau der Ostseeküste lohnt es sich, in ihrem Westteil au der schönen Insel Wollin (Wolin) anzuhalten. Das Gebiet des auf Wollin angelegten Nationalparks ist von Buchenwäldern sowie einem Eichen- und Kieferwald bewachsen. Zwischen der Seen und Sümpfen befinden sich hier Ansiedlungen von Kranichen und Reihern, sowie Brutstätten der Königsweihe und des Seeadlers.
An die Tiefenebenen der Ostseeküste grenzen die breitenkreismäßig gelegenen hügligen Gebiete der Seeplatten, die ein Relikt der Eiszeit sind. Die Seeplatten bestehen aus den Moränenhügeln und -seen, meistens rinnenartigen Gewässern, die lang und gekrümmt sind. Besonders malerisch sind Masurische und Suwalker Seenplatte.
Am witesten östlich ragt die Suwalker Seenplatte (Pojezierze Suwalskie). Hiesige Seen gehören zwar nicht zu den größten, aber ein Wanderer findet hier mehrere Erhebungen, die in Dänemark und den Niederlanden für sehr hohe Berge gehalten wären. Der Höhepunkt, Krzemieniucha, misst 298 Meter über dem Meeresspiegel. Hier befindet sich die tiefsten Seen in Polen, unter denen den ersten Platz der Hancza-See mit 108 Metern Tiefe einnimmt.
Am nördlichen Rand des Augustower Waldes (Puszcza Augustowska) erstreckt sich der Wigry-See (73 Meter Tief), den eine abwechslungsreiche Uferlinie auszeichnet, reich an Buchten und Halbinseln. Der See selbst hat zahlreiche Inseln. Wigry wird vom Fluss Czarna Hancza durchquert, der zusammen mit dem Augustower Kanal (Kanal Augustowski) eine der schönsten Kajakrouten bildet. Der Kanal hat eine lange Geschichte; der 1825 begonnene Bau dauerte vierzehn Jahre. Der Kanal zieht sich von der Biebrza bis zur Memel, seine vollständige Länge beträgt 101 Kilometer und die 14 auf dem Gebiet Polens vorhandenen Schleusen heben das Niveau des Wasserweges zwischen Biebrza und Augustow um 15 Meter. Im Grunde genommen dient er heute vor allem dem Holztransport zum Sägewerk in Augustow.
Der vorhin erwähnte Augustower Wald breitet sich auf einer Fläche von zirka 1000 Quadratkilometer aus. Seit den ältesten Zeiten war er für große Jagden berühmt.

Aus der Suwlker Seenplatte wechseln wir nun in westliche Richtung, nämlich in die Masurische Seenplatte (Pojezierze Mazurskie), von vielen oft auch Land der Tausend Seen genannt. Die miteinander verbundenen Großen Masurischen Seen bilden eine Wasserfläche von 310 Quadratkilometern. Die größten dieser Seen sind der Spidingsee (Sniardwy), der Mauersee (Mamry) und der Löwentinsee (Niegocin). Es sind so gewaltige Gewässer, dass von einem Seeufer der andere nicht zu sehen ist. Der Spirdingsee hat 113,8 Quadratkilometer Fläche und der zweitgrößte Mauersee 104,4. Diese Region hat also eine hoch entwickelte Fischerei. Hiesige Seen, die an Hechten, Aalen und anderen edlen Fischsorten reich sind, sind ein echtes Paradies für erfahrene Angler. Für die Ornithologen sind wiederum gewaltige Kolonien der Wildvögel eine echte Wonne. Auf dem Mauersee gibt es ein Naturschutzgebiet mit Kormoranen. Wildschwäne haben eine Brutstätte am Lucknainer See (jezioro Luknajno). Am weit ausgedehnten Spirdingsee leben Reiher, Haubentaucher, Kampfläufer und Schwarzstörche. Unweit von dort, in Popiellnen (Popielno) auf der Landzunge zwischen dem Spirding- und Beldahnsee, lohnt es sich eine Zucht von kleinen, halbwilden Pferden - Tarpanen zu besichtigen, die in Urzeiten Ahnen der heutigen Pferderassen waren.

Die Gegend der Großen Masurischen Seen ist waldreich. Obwohl die Wälder, abgesehen von der Johannisburger Heide (Puszcza Piska), keinen größeren Komplex bilden, wimmeln sie von Waldbeeren, Himbeeren, Walderdbeeren und mehreren schmackhaften Pilzsorten.
Ausgedehnte Gewässer garantieren auch wahre Segelabenteuer. Mit zahlreichen Kanälen verbundene Seen werden als Wasserwanderrouten und Binnenschiffahrtswege gerne genutzt. Die Kais der Jachtklubs in Lötzen (Gizycko) oder Nikolaiken (Mikolajki) sind im Sommer voll von verschiedenartigsten Booten.

Im Westteil der Masurischen Seenplatte beginnt der Oberländische Kanal (Kanal Ostrodzko-Elblaski), eine europaweite einmalige Wasserroute, die den Drewenzsee (Jezioro Drweckie) mit dem Drausensee (jezioro Druzno) und Elbing (Elblag) mit dem Frischen Haff verbindet. Die Einmaligkeit dieses Wasserweges besteht darin, dass die durch ihn fahrenden Schiffe passieren Seen, die verschieden hoch gelegen sind, dank einem ausgeklügelten System von Schleusen und Schiefen Ebenen. Auf fünf Schiefen Ebenen werden die Schiffe auf Plattformen befördert, die auf dem Festland installierten Schienen verkehren und Schiffe oder Jachten auf ein anderes Niveau bringen. Bewältigt wird dabei ein Höhenunterschied von jeweils 13 bis 24 Metern. Insgesamt beträgt der Höhenunterschied ganze 100 Meter. Dieser interessante Kanal wurde in den Jahren 1844 bis 1872 erbaut und bis heute wird von Ausflugsschiffen genutzt.

Diese schönen, einzigartigen Regionen Polens befinden sich unter besonderer Obhut des Staates, die in Rahmen des als "Grüne Lunge Polens" bekannten Großprojektes ausgeübt wird. Dieses speziell ausgearbeitete Vorhaben sieht unter anderem eine Umgestaltung der Gebiete von beiden Seenplatten zu einer ökologisch sauberen Region vor - im gesamtpolnischen wie europäischen Maßstab.

Schnupper Text 02
Ein Abriß der Geschichte
In Polen frönte der eigenwillige Adel dem Spruch Za krola Sasa jedz, pij i popuszaczaj pasa (= Unter dem sächsischen König iss, trink und mach deinen Gürtel locker), was in französischer Fassung einfacher klingt: Aprés nous le déluge (= Nach uns die Sintflut). Erst gegen Ende des Jahrhunderts, dank den aristokratischen Eliten, kam es zu einer Ernüchterung. Wie es zum Zeitalter der Aufklärung passt, schlossen sich der reformerischen Bewegung auch Vertreter der erleuchteten Kreise anderer sozialer Schichten. Die berühmte Gesellschaft Kuznica Kollatajowska vereinte unter anderem einen Kreis von fortschrittlichen Geistlichen. Der reformwillige Vierjährige Reichstag (1788-1792) verabschiedete im Jahre 1791 das Verfassungsgesetz, genannt nach dem Tag der Beschließung die Verfassung des Dritten Mai. Es war das, nach dem amerikanischen überhaupt zweite und genauso fortschrittliche Verfassungsgesetz der damaligen Welt. Es ließ zwar die Standesverfassung bestehen, schwächte aber die Positionen des Hochadels und verbesserte die Lage der Bürgerlichen, unter anderem erleichterte ihnen eine Standeserhebung.
Dieser verzweifelte Versuch, den angeschlagenen Staat zu reformieren, kam allerdings zu spät. Im Jahre 1795 verschwand Polen für über 120 Jahre aus der Landkarte Europas und wurde zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt. Interessanterweise hat nur die Türkei diesen Sachstand nicht gebilligt. Der bis vor kurzem erbitterte Feind Polens hat die Teilung Polens nie anerkannt und wurde im 19. Jahrhundert ein Exilort für mehrere Polen.

Mit dem Anfang der napoleonischen Zeit ergriffen die Polen für kurze Zeit die Hoffnung auf eine Befreiung wieder, obwohl sie keine konkreten Versprechungen vom Kaiser der Franzosen erhielten. Auf ihren Fahnen schrieben sie stolze Worte "Für eure und unsere Freiheit" (markant, dass "unsere Freiheit" erst an der zweite Stelle steht) und gingen blind hinter dem kleinen Sohn Korsikas, um genauso blind ihrem Schicksal zu begegnen. Unter diesen Fahnen starben sie in Spanien, in Ägypten, auf den exotischen Inseln und überall in Europa. Sie verließen Napoleon sogar während des düsteren Rückzuges über die russische Unwege nach der Niederlage bei Borodino nicht. Auch wenn ganz Europa gegen Napoleon sich vereinigte, harrten die Polen seiner Seite aus, bis zur Völkerschlacht bei Leipzig, bis zur Niederlage von Waterloo.

Im Jahre 1815 besiegelte der Wiener Kongress die Teilungen Polens, und das im Rhythmus des Walzers, der damals seine Weltkarriere anfing und den Politikern die Pausen in Verhandlungen versüßte, was auch dazu führte, dass dieses Ereignis in die Geschichte als "der tanzende Kongress" eingegangen ist.

Fünfzehn Jahre später unternahmen die Polen erneut einen Versuch, die Unabhängigkeit zu erlangen, indem sie tapfer gegen überwiegende Kräfte der Russen kämpften. Sie konnten aber keine Hilfe vom durch revolutionäre Krampfe erschütterten Europa erwarten. Die Franzosen waren damals für eine Beruhigung der Novemberrevolte im Land der Weichsel. Bekannt wurde damals das Wort des französischen Ministers Sebastiani, der die Nachricht über die Einnahme Warschau durch zaristische Truppen mit dem Satz "L'ordre régne ? Varsovie" (= In Warschau herrscht Ordnung) quittierte. Im Jahre 1981 kam ihm der Minister Claude Cheysson gleich, der auf eine Frage, was Frankreich angesichts des Kriegsrechts in Polen unternehmen wird, mit dem prompten "Selbstverständlich nichts!" antwortete.

Das 19. Jahrhundert fing an und verlief im Zeichen des Exilgangs der Polen in die Länder, die ihnen einen Ersatz der Freiheit gewährleisteten. Diese merkwürdige polnische Diaspora findet sich nun in aller Welt. Denjenigen, die im Land geblieben sind, blieb nichts anders, als die Literatur "zur Stärkung der Herzen" oder "ein Gebet um den allgemeinen Krieg der Völker", der eine Chance für die Befreiung Polens schaffen würde. Um nicht faul zu werden, den nationalen Geist hinwegzuretten sowie den Glauben und die Tradition nicht zu verlieren, erhoben sich die Polen immer wieder zu Aufstände, die aber mit Niederlagen endete. So war es im Fall des Januaraufstandes von 1853, der zu einer ungleichen Auseinandersetzung zwischen den polnischen Partisanen und der regulären russischen Armee führte. Nach der unumkehrbaren Niederlage füllte sich der Weg nach Sibirien mit den Scharen von Deportierten, die der schweren, sklavenartigen Arbeit in den Gruben ausgesetzt wurden. Nur Wenige hatten das Glück, zum Vaterland zurückzukehren.

Der lange ersehnte Völkerkrieg ist nun gekommen. Er wurde von den Schüssen serbischer Attentäter im Juni 1914 in einer wenig bekannten Stadt Sarajewo, ausgelöst. Infolge des Ersten Weltkrieges wurden sämtliche Teilungsmächte gestürzt und am 11. November 1918 feierte Polen die Rückgewinnung seiner Unabhängigkeit. Die Kämpfe von russischen und deutsch-österreichischen Truppen auf dem Gebiet Polens führten aber das Land zu extremen Zerstörung und Verwüstung.

Es sind keine zwei Jahre seit der wiedererlangten Unabhängigkeit vergangen, und der junge Staat musste eine schwere Feuerprobe bestehen, in dem er tapfer einen Überfall der Bolschewisten abwehrte. Die Rote Armee, die über den "Leichnam vom Herrenpolen" weiter den Westen gehen und die Fackel der neuen Ideologie bringen wollte, drang in die Landesgrenzen ein und besetzte blitzschnell einen bedeutenden Teil Polens.
Die Marschroute der Armeen Tuchatschewskis sollte über das revoltierte Deuschland und Ungarn führen, weiter westlich bis nach Spanien. Zum Glück für das ausgeblutete Europa verhinderte die Tapferkeit der Polen und das strategische Genie von Marschall Jozef Pilsudski diesen Plan. Die Offensive der Bolschewisten wurde bei Warschau angehalten. Dieses Ereignis ging in die Geschichte als der "Wunder an der Weichsel" ein. Abgesehen davon, ob es in Wirklichkeit ein Wunder war, ist es unumstritten, dass Polen zum wiederholten Male Europa gerettet hat.

Unser Land erfreute sich keine zwanzig Jahre einer friedlichen Existenz. Diese kurze Zeit haben die Polen nicht schlecht ausgenutzt. Die Gebiete der drei ehemaligen Teilungsmächte wurden vereint und die Wirtschaft wiederaufgebaut. Kultur und Wissenschaft entwickelten sich imponierend. Die politische Ordnung, auch wenn sie kein Muster der Demokratie war, hat sich nicht zum Faschismus missgebildet, wie es damals in mehreren europäischen Ländern der Fall war. Angesichts einer Bedrohung, die von Hitlerdeutschland ausging, setzte sich das polnische Volk voll integriert für die Verteidigung seiner Grenzen ein. Auf dieser Weise bestanden die Polen eine weitere Prüfung von der Geschichte. Als erste leisteten sie den Widerstand gegen die "großdeutschen" Divisionen, die zur Welteroberung aufbrachen. Obwohl sie zunächst besiegt wurden, haben sie zu keinem Zeitpunkt Waffen niedergelegt und auch nie den Glauben an eine Rückgewinnung der Freiheit verloren.
Polnische Streitkräfte kämpften an mehreren Fronten des 2. Weltkrieges. Die Polen beteiligten sich an Kämpfen in Afrika, polnische Flieger verteidigten mit einer beispielslosen Opferbereitschaft und Mut England vor dem Nazi-Einmarsch. Sie unter anderem meinte Winston Churchill, indem er seinen berühmten Satz sagte: "Noch nie hing so viel von so Wenigen ab". Polnische Matrosen nahmen an den gefährlichen Konvois der Allierten nach Archangelsk teil. Ebenfalls eroberten die Polen den für andere Armeen unzugänglichen Berg Monte Cassino und eröffneten damit den Weg nach Rom. Sie befreiten Frankreich, Belgien und die Niederlande.

Schnupper Text 03
Kultur
Das 17. Jahrhundert ist ein Zeitalter, als die raffinierte französische Kultur triumphiert hatte. Auch in diesem Fall spielten die Frauen eine maßgebliche Rolle. Die Gemahlin Wladislaus IV., Marie Louise geborene Gonzage, brachte nach Polen samt Mitgift eine ganze Schar hübscher und verführerischer Jungfrauen aus adligen Familien. Mit polnischen Aristokraten vermählt wurden sie zur spezifischen fünften Kolonne des französischen Brauchtums und der Kultur. Unter ihrem Einfluss verwarfen die Männer altpolnische Oberröcke zugunsten der modischen Fracks, und bedeckten ihre bisher rasierten Köpfe mit raffinierten Perücken. Gleich hinterher kam die Begeisterung für französische Musik, Literatur und vorzügliche Küche, die von der schwer verdaulichen und für scharfe Gewürze berüchtigten polnischen Kochkunst so unterschiedlich war. Die französische Sprache wurde mit der Zeit zum Maß des gesellschaftlichen Schliffs und der feinen Bildung.
Trotz dieser deutlichen Invasion des französischen Wesens war die damalige polnische Kultur imstande, etwas eigenes zu gemeinsamen europäischen Errungenschaften beizutragen. Die exquisite Epoche des Barocks gab dem mondänen Europa neben dem Menuett auch einen anderen Hoftanz - majestätisch, würdevoll, große Bälle und Empfänge bis heute eröffnend. Sein Name, die Polonaise, bezeichnet die Herkunft eindeutig.
Der Tanz inspirierte später viele prächtige Kompositionen von Frédéric Chopin. Die Epoche der Aufklärung versuchte durch die Pflege rein polnischer Elemente das Land vor politischer und kultureller Abhängigkeit von fremden Trends zu retten. In damaliger Zeit kam es zu einer gewissen Wiedergeburt der heimischen Literatur und Wissenschaft. Dynamisch entwickelte sich das Theater von Wojciech Boguslawski unter der erleuchteten Schirmherrschaft des Königs Stanislaus August Poniatowski. Die berühmte Szkola Rycerska (= Ritterschule), zum gleichen Zeitpunkt ins Leben gerufen, lernte den inzwischen etwas in Vergessenheit geratenen Patriotismus. Es ist markant, dass die Umkehr von fremden Mustern kurz vor dem Unabhängigkeitsverlust zustande gekommen ist. Die feinsten polnische Werke sind nämlich in der Zeit des Schwindens der polnischen Staatlichkeit entstanden. Die Kultur wurde damals zu einem das Volk vereinigenden Faktor und alle ihre Ausdrücke einem Ziel dienten, nämlich dem Überstehen bis zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit.
Die romantische Dichtung von Adam Mickiewicz, Juliusz Slowacki, Cyprian Kamil Norwid wurde in einer Zeit geboren, als das Kulturschaffen und -erleben zu einem Ersatz des politischen Lebens wurde. Eine ähnliche Rolle spielte die ungewöhnliche Musik von Chopin. Alle oben genannten ausgezeichneten polnischen Schaffenden arbeiteten zwar in Frankreich, wo die meisten politischen Emigranten lebten, ihre Werke erreichten aber das Land, stärkten die Unterjochten und ermutigten zu nationalen Erhebungen. Polnische Schriftsteller der Zeit der Teilung hatten eine besondere Rolle. Ein Beispiel dafür sind die Werke von Henryk Sienkiewicz, der am Ende seiner historischen Epen deutlich schrieb, dass sie "zur Stärkung der Herzen" geschrieben wurden. In Polen wurde er vor allem wegen der Trilogie verehrt, der Nobelpreisträger wurde aber durch seinen Roman Quo vadis, weltbekannt.

Nach der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit im Jahre 1918 nutzte Polen sehr intensiv die zwanzig Jahre der Zwischenkriegszeit. Erfolgreich war die Literatur, wofür ein weiterer Nobelpreis für Wladyslaw Reymont und seinen Roman "Die Bauern", in dem das polnische Landleben, seine Menschen und Bräuche beschrieben wurden, Zeugnis ist. Mit diesen Jahren sich auch solche hervorragende Namen, wie Witold Gombrowicz oder Stanislaw Ignacy Witkiewicz, zu verbinden. Ihre grotesk - satirischen Werke entlarvten polnische Mythen und bürgerliche Lebensart.
In der Musik ist der Name Karol Szymanowski zu merken, der einer der führenden Vertreter des Jungen Polens war. Szymanowski entwickelte eigene Stillmerkmale, indem er sich auf den Elementen der Folklore stützte, vor allem der Goralen. In der selben Zeit gewannen ausgezeichnete Interpreten den Weltruhm - der Pianist Artur Rubinstein und der Geigenspieler Pawel Kochanski. In den Kalender von weltbedeutenden Ereignissen sind die alle fünf Jahre abgehaltenen Chopin - Festspiele eingegangen, die zum Prüfstein junger Interpreten der Musik des großen Autors von Polonaisen, Mazurkas und Préludes geworden sind.

Schnupper Text 04
Städte und Landsitze
In Polen gibt es knapp über achthundert Städte. Davon haben etwa vierzig mehr als100.000 Einwohner. Es gibt nur einige echte Großstädte wie Warschau, Lodsch (Lodz), Breslau (Wroclaw), Danzig oder Posen. Nach der Einwohnerzahl kann sich Warschau mit den Großstädten Europas messen, doch wiederum wird es im Vergleich zu Chicago, Tokio oder London keinen größeren Eindruck auf einen weltbewandten Wanderer machen.
Durch die Mehrzahl größere Städte wälzte sich die vernichtende Maschine des 2. Weltkrieges und vernichtete sie manchmal bis auf die Grundmauern. Die Altstädte von Warschau und Danzig sind Ergebnis einer peinlich genauen Rekonstruktion. Vielleicht gerade deshalb lohnt es sich, kleinere und weniger bekannte Ortschaften aufzusuchen, weil gerade dort die Spuren der aufgeschichteten Vergangenheit noch zu sehen sind.

Glücklicherweise, Polen ist auch ein Land der auf wundersame Weise erhaltenen oder pietätsvoll restaurierten Herscherschlösser und Landsitze der Magnaten, die ferne der vielfrequentierten Wege liegen, oft inmitten einer wenig interessanten Umgebung. Es lohnt sich, die meisten von ihnen aufzusuchen und zu besichtigen.

Die Wanderung kann man im Süden des Landes anfangen, also von der am weitesten in dieser Richtung gelegenen Stadt. Sie heißt Zakopane und liegt am Fuß der Hohen Ttra.
Zakopane, manchmal das polnische Chamonix genannt, reicht mit seinen Anfängen bis zum 18. Jahrhundert, begann aber seine große Karriere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als es durch den Warschauer Arzt Dr. Tytus Chalubinski endeckt und bekannt gemacht wurde. Bald wurde es unter den geistigen und künstlerischen Eliten des Landes wegen seiner einzigartigen Klimawerte unvorstellbar beliebt. Die kristallene Luft wirkt sehr gut auf angeschlagene Lungen. In den Zeiten, bevor Antibiotika entdeckt wurden und die Tuberkulose eine schreckliche Ernte jedes Jahr einsammelte, war das Klima von Zakopane oft die einzige Rettung für die Kranken. Heutzutage ist die Luft in der Stadt nicht mehr so gut, aber in Stadtteilen wie Gubalowka oder Kalatowki kann man noch einen Schluck frischer Luft zu sich nehmen.

Nördlich von Zakopane liegt Krakau. Auf dem Wege in die alte Polenhauptstadt lohnt es sich, unterwegs Wieliczka zu besichtigen. Hier befindet sich die berühmte Salzgrube. Das Bergwerk hat acht Förderebenen, seine Tiefe beträgt 315 Meter. Der Salzbergbau floriert hier bereits seit achthundert Jahren, so alt sind nämlich die ersten Überlieferungen, die mit örtlichen Salinen verbunden sind. Die Seltenheit dieses Objektes ist mit den in den Tiefen des Bergwerks ausgehöhlten und in Salz bildhauerisch geschmückten barocken Kapellen verbunden. In der Tiefe von 60 bis 100 Meter befindet sich die Kapellen St. Antonius, Hl. Kreuz und Sl. Kunegunde, die im 17. Jh. entstanden. Die letztgenannte entstand zu Ehren der ungarischen Prinzessin, der seligen Kunegunde (in Polen Kinga genannt), die die Salinen als Mitgift für seinen Gemahl Boleslaus V. den Schamhaften gebracht haben sollte; in der Kapelle befindet sich ein ihr geweihter Altar aus dem 19. Jahrhundert, der selbstverständlich in Salz geschnitzt wurde.

In der Nähe von Krakau soll man auch das Schloss in Pieskowa Skala besichtigen. Auf einem steilen Berghang befindet sich der ungewöhnlich hübsche Bau, der früher den mächtigen Familien Szafraniec und Zebrzydowski gehörte. Das ursprüngliche gotische Schloss zieren manieristische Kreuzgänge. Den größten Eindruck macht allerdings die Umgebung der Residenz selbst, aus ihren Fenstern hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Nationalpark von Ojcow und seine ungewöhnliche Natur.

Danach ziehen wir endlich nach Krakau- in die alte Hauptstadt Polens ein, wo die Geschichte buchstäblich in jedem Stein steckt. Obwohl Krakau bereits seit vier Jahrhunderte nicht mehr die Landeshauptstadt ist, halten die glühenden Anhänger dieser Stadt Warschau für einen Usurpator und verurteilen den Entschluss Königs Sigismund III, der seinen Sitz zu einer anderen Weichselstadt verlegt hat.

Im Westen, parallel zu Neiße, in einem gleichnamigen Tal liegt Glatz (Klodzko), eine nicht große Stadt am Fuße des Sudetengebirges. Die Gegend der ehemaligen Grafschaft ist sehr malerisch und voll spezifischer "Zitate" aus den berühmten Mustern der europäischen Baukunst. Ein Beispiel dafür ist die gotische steinerne Brückentorbrücke über den Mühlenkanal (kanal Mlynowka), mit spätbarocken Statuen geschmückt erinnert sie täuschend an die Prager Karlsbrücke. Von Glatz bietet sich ein Ausflug nach Fürstenstein (Ksiaz) bei Waldenburg (Walbrzych). Diese Ortschaft ist für eine Burg berühmt, die auf einem Hügel über die gesamte Gegend waltet. Im Umlauf sind Sagen über unterirdischen Burggewölben, die während des 2. Weltkrieges zu einem Super-Luftschutzbunker für Hitler umfunktioniert werden sollten. Die Bewohner der Gegend sind der Meinung, dass die unzugängliche Kellergänge von Fürstenstein Schätze verbergen, die von den Nazis in allen Ländern Europas geraubt wurden. Die Burg selbst, einst ein Sitz der Herzöge von Schweidnitz (Swidnica), ist ein Spätgotik- Renaissancebau, mit einem spätbarocken Still ungebauten Vordergiebel. Unbedingt zu besichtigen sind die barocken Innenräume, prächtige Terrassengärten und ein Zwinger. In der Nähe befindet sich das bekannte Gestüt.

Nachdem wir Fürstenstein verlassen, kann man unterwegs nach Breslau kurz in Brieg (Brzeg), einer an der Oder liegenden Stadt mit Bauten, die zusammen ein historisches Komplex bilden, meistens aus der Renaissanczeit. Diese Hauptstadt eines Herzogtums der Piasten erlebte ihre Blütezeit im 16. Jahrhundert unter der Herrschaft von Herzog Georg II. Eine wahre Perle ist das Renaissanceschloss mit einigen Spuren der Gotik. Drei Flügel umkreisen den Hof mit Bogengängen. Den Besucher begrüßt eine Reihe von dekorativen Büsten der Herzöge aus dem Hause der Piasten. In der Kapelle befinden sich Sarkophage der letzten Herrscher. Im Schloss kann man eine ständige Ausstellung von mittelalterlicher Kunst, alten Drucken und Kunstgewerbe besichtigen.

Breslau ist heutzutage nach Warschau und Krakau das drittwichtigste Zentrum polnischer Wissenschaft und Kultur sowie ein ähnlich wichtiger Industriestandort. Der Besucher findet hier zahlreiche wertvolle Baudenkmäler. Eine besondere Ansammlung von ihnen befindet sich im ältesten Stadtteil - auf der Dominsel. Hier erhebt sich der monumentale gotische Dom (geweiht heiliger Johannes dem Täufer). Sein Fußboden verbirgt noch die berreste einer romanischen Krypta aus der ersten Hälfte den 12. Jahrhunderts. Im Dominnern sind noch gotische Wandmalereien erhalten; die meisten Ausstattungsstücke sind im Barokstil. Auf der Insel befinden sich außerdem die barock-klassizistische Fürstbischöfliche Residenz und das Spätgotik- Renaissance- Kapitelshaus. Außer dem Dom lohnt es sich, hier noch vier weitere alte Kirchen aus dem 13. Jahrhundert zu besichtigen. Auch in anderen Stadtteilen Breslaus fehlt es an historischen Gotteshäusern nicht. Die Alt- wie die Neustadt sind voll von jahrhundertealten Kirchen und Klöstern. Unser Aufmerksamkeit ist die aus Backstein und Steinen erbaute gotische Maria-Magdalenen- Basilika wert; an der Südseite dieser Kirche befindet sich das romanische, feingeschnitzte Steinportal, das im 16.Jahrhundert aus dem Benediktinerkloster im heutigen Stadtteil Elbing (Olbin) verlegt wurde.
Im Nordteil der Breslauer Altstadt befindet sich das ehemalige Jesuitenkolleg, heute der Sitz der Universität. Das Gebäude hat Form eines langen Palasts, mit einer bildhauerisch geformten Fassade und einem ausgebauten Portal des Haupteingangs. Im Inneren wecken ein reich geziertes Treppenhaus und der Apotheksaal mit einer interessanten Ausmalung das Interesse. Besonders wertvoll ist die berühmte Aula Leopoldina, ein besonders prunkvoller Festsaal mit üppigen Freskomalereien.

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Die Wojewodschaft Lodsch liegt in der Nähe von Warschau, es ist also Zeit, die Hauptstadt Polens zu präsentieren. Kaum eine andere polnische Stadt verbindet ineinander so eng Vergangenheit mit der Gegenwart. Neben Gebäuden, die über den Krieg wundervoll gerettet wurden, gibt es hier spezifische "Gaben", wie den Palast der Kultur und Wissenschaft im Stil des sozialistischen Realismus oder in einer ähnlichen Manier wieder aufgebaute Straßen. Zu dieser Mosaik gehören nach Wohnsilos aus Beton, grau und banal, so typisch für den gesamten ehemaligen Ostblock. Die allgemeine Eintönigkeit wird auf eine nette Weise durch solche Akzente, wie die Warschauer Altstadt, belebt. Die Altstadt wurde nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges wiederaufgebaut und bildet zusammen mit den Stadtmauern und der Barbakane einen der schönsten Stadtteile. Der Altstädtische Markt ist zusammen mit den ihn umringenden Gassen die beliebte Ausflugs- und Flaniermeile von Warschauern und Touristen. Für das Kolorit sorgen zahlreiche Maler, die ihre auf Hauswänden aufgehängten besseren oder schlechteren Werke zu verkaufen versuchen. Man kann eine Droschke nehmen und die engen, reizvollen Gassen, die diesen einmaligen Stadtteil bilden, bequem durchfahren, oder sogar weiter den Königlichen Weg durchstreifen, an dem die ältesten historischen Bauten der Stadt zu besichtigen sind

In der ul. Swietojanska (=Johannesgasse) befindet sich die St. Johannes- Kathedrale, berühmt für den Eid auf die Verfassung des 3. Mai im Jahre 1791. Die unterirdischen Krypten leisten den Gebeinen der masowischen Herzöge ewige Ruhe. Bestattet wurden hier auch kirchliche Würdenträger, als letzter fand hier Kardinal Stefan Wyszynski, der Milleniumsprima, der zu seiner Lebenszeit eine bedeutende Rolle bei der Erhaltung und Befestigung der katholischen Kirche in Polen zu den kommunistischen Zeiten gespielt hatte, seine letzte Ruhestätte. In einer der Grabkammern befindet sich auch der Sarkophag von Henryk Sienkiewicz, dem großen polnischen Schriftsteller und Nobelpreisträger.

Aus der Swietojanska- Straße kommen wir zum Plac Zamkowy (=Schlossplatz) mit der charakteristischen Sigismundsäule. König Wladislaus IV. ließ sie zu Ehren seines Vaters, Sigismund III. Wasa, errichten, der Warschau zur Hauptstadt Polens gemacht hat. Linkerhand steht das Königsschloss, ursprünglich eine im gotischen Stil erbaute Residenz der Herzöge von Masowien. Unter Sigismund III. wurde das Schloss gründlich umgebaut und infolgedessen ist es zu einem barocken Palais mit fünf Flügeln und einem schönen Uhrturm geworden. Der Bau wurde während des letzten Krieges fast restlos zerstört und in den siebzigen Jahren wiederaufgebaut. Besonders pietätsvoll wurden die Innenräume rekonstruiert, die heute ein Museum beherbergen.

Am Königlichen Weg sind mehrere prächtige Residenzen zu finden. Gleich neben dem Schloss steht das Blecherne Palais, die Stätte der ersten Begegnung des Kaisers der Franzosen Napoleon I. mit der schönen Marie Walewska. Krakowskie Przedmiescie (= Krakauer Vorstadt) entlangfahrend sollen wir noch unsere Aufmerksamkeit dem spätbarocken Potocki- Palais und den klassizistischen Palais der Familien Radziwill und Tyszkiewicz widmen. Am schönsten sind aber zweifellos Wilanow und Lanzienki.
Wilanow war einst der Landsitz des Königs Johann III. Sobieski. Mit der Zeit wurde es zu einem Teil der wachsenden Stadt. Das barocke Palais- und Parkensemble, voll Leichtigkeit und Charm, konnte den exquisiten Geschmack der französischen Gemahlin des Königs Marie Casimire befriedigen.
Lazienki ist schon eine neue Epoch, eine andere Stilrichtung. Diese Residenz ist ein Werk des letzten Herrschers auf dem polnischen Thron, Staislaus August Poniatowski. Die gesamte Anlage wurde im eleganten, reizvollen frühklassizistischen Stil entworfen und ausgeführt. Auf einer Insel inmitten von Teichen placiert, spiegelt sich das Palais im Wasser präzise wieder und wird deshalb oft Palac na Wodzie (= Wasserpalais) genannt. In einem Landschaftspark finden wir noch mehrere Bauten aus derselben Zeit, wie z.B. die alte Orangerie mit dem Hoftheater, das Freilichttheater auf einer Insel, wo im Sommer Konzerte und Spektakel aufgeführt werden. Hier steht auch das Weiße Häuschen, angeblich ein Ort der geheimen Treffen des Königs-Junggesellen mit schönen Damen, die von der Königskrone träumten.

Schnupper Text
Traditionen, Feste, Brauchtum
Die wichtigsten polnischen Feste sind durch die christliche Tradition geprägt worden, deshalb ist der Festtagskalender nicht anders als im übrigen Europa und im Rest der Welt. Selbstverständlich gibt es spezifische, heimische Komponente im allgemeinen Ritual, die nur für Polen oder manchmal einige seiner Regionen typisch sind.

Zweifellos sind zwei Feiertage in Polen am Wichtigsten - Weihnachten und Ostern. Stark verwurzelt in der historischen und religiösen Tradition des Landes konnten sie der marxistischen Indoktrinierung erfolgreich Widerstand leisten. Kein Pole, wenn auch überzeugter Kommunist, konnte der fesselnde schönen Tradition widerstehen, sich am 24. Dezember im Familienkreis am gemeinsamer Tafel zu treffen, um die Oblate zu teilen. Die dünne, brüchige Oblate hat einen beinahe mystischen Beigeschmack; mit den Fingern der einander nahen Menschen gebrochen verbindet sie und zementiert Familien. An diesem Tag, wie an keinem anderen, wollen die Menschen zusammen sein, auch wenn sie zu diesem Zweck mehrere hundert Kilometer zurückzulegen haben. Die Einsamkeit am Heiligabend (poln. wigilia) ist ganz gewiss die bitterste Einsamkeit, die es geben kann.

Was ist denn für das gemeinsam Feiern des Heiligenabends durch die Polen so charakteristisch? Vor allem der Tisch, gedeckt mit einer schneeweißen, von der Stärke knisternden Decke, unter die alle Traditionsanhänger eine Handvoll Heu legen. Es ist mit Wahrsagerei verbunden. Wer nämlich unter der Decke ein ausgetrocknetes Blümchen, eine Ähre oder einen langen Halm findet, der kann alles Allerbeste während des kommenden Neuen Jahres erwarten. Etwas trübe Perspektiven hat derjenige, der einen gebrochenen Halm rauszieht. Auf dem Tisch nimmt der Teller mit den Oblaten den Ehrenplatz ein. In einigen Kreisen, besonders unter den Menschen, die aus dem ehemaligen polnischen Osten stammen, spielt "kutia" eine ähnliche Rolle, ein spezifisches Gericht, das aus Weizen, Mohn, Trockenfrüchten und Honig gemacht wird. Die Kutia ist nicht jedermanns Sache, aber die Tradition lässt jeden zumindest ein Löffel dieser Spezialität kosten. Oblate wie Kutia sind nur Einführung zum eigentlichen Festessen am Heiligabend, das nachdem das erste Sternchen auf dem Himmel erschienen ist, beginnen kann, nach einem ganztägigen Fasten. Man darf sich also dem Appetit der Gäste nicht wundern. Solange es möglich ist, sollen ganze zwölf Gerichte auf dem Tisch erscheinen, wobei, anders als im angelsächsischen oder romanischen Kulturkreis, kein Fleischgericht hier zu finden ist. Keine Speise darf außerdem unter Verwendung eines Tierfettes zubereitet werden. Das Essen beginnt mit einer Suppe. Am öftesten wird der rote Borschtsch mit "Öhrchen" serviert, kleine ravioliähnlichen Teigtaschen, die mit Pilzen gefüllt sind. Zahlreich sind ebenfalls Anhänger einer klaren Pilzsuppe mit Nudeln; in einigen Regionen serviert man eine Sauerkrautsuppe mit Pilzen. Der Suppe folgen Fleischgerichte, davon ist der gebratene Karpfen am wichtigsten. Gerne werden auch Öl- oder Sahneheringe verspeist. Es fehlt ebenfalls nicht an Variationen zum Thema Hecht, der sowohl auf jüdische Art mit Rosinen und Mandel, wie auch in Gelee oder gefüllt zubereitet wird. Zahlreiche andere Weisen souffliert die Phantasie des Kochs. Aus diesen Grundzutaten ein Repertoire von zwölf Gerichten zu schaffen ist keine geringe Kunst, es gibt aber noch viele polnische Häuser, wo diese Tradition gepflegt wird. Dieses Menü wird noch von zahlreichen Kuchensorten ergänzt, wie z.B. Quarkkuchen mit getrockneten Südfrüchten, Mohnkuchen und Rührkuchen. Zum Schluss kommt noch das Kompott aus Trockenfrüchten.

Danach werden unter einem glitzernden Tannenbaum die Geschenke ausgepackt; manchmal bringt sie, meistens in die Familien mit Kleinkindern, der Weihnachtsmann höchstpersönlich. Der Familienvater übernimmt diese Rolle, und wenn es nicht möglich ist, dann engagiert man eine andere Person, die den guten Alten mimt. Um Mitternacht eilen alle Gläubigen, weit und breit in Polen, zur Hirtenmesse, um in der Pfarrkirche das Jesuskind symbolisch zu begrüßen. Später kommt die Nachtruhe und anschließend noch zwei Tage, die mit Festessen und gegenseitigen Besuchen ausgefüllt sind. Um noch zum Heiligabend zurückzukehren; im Volksaberglauben soll die Mitternacht dieser besondere Zeitpunkt sein, zu dem Tiere das einzige Mal im Jahr mit der menschlichen Stimme reden können. Die Bauern besuchen aus diesem oder einem anderen Grunde an diesem Abend ihre Ställe und teilen mit ihrer Herde die Reste der Weihnachtsoblate, damit die Tiere im kommenden Neuen Jahr gesund bleiben.

Einen völlig anderen Charakter hat Ostern. Im alten Polen wurde es von einer vierzigtägigen eher genau beachteten Fastenzeit eingeleitet. Heute essen die polnischen Kirchgänger nur am Karfreitag, dem Tag des Leidens Christi, kein Fleisch. Eine Woche vor dem Ostersonntag wird der Palmsonntag gefeiert. In Blumenläden oder vor den Kirchen kauft man dann symbolische "Palmzweige", die an die triumphale Begrüßung Jesu in Jerusalem erinnern. Oft sind es Erzeugnisse der Volkskunst von besonderer Schönheit. In Polen ist die Region von Kurpie für die schönsten und größten Palmen bekannt. Im kurpischen Dorf Lyse wird ein Wettbewerb der Palmen nach dem Hochamt durchgeführt; zahlreiche ausländische Gäste kommen zu diesem Dorf am Palmsonntag, um die metergroßen Stücke zu bewundern. Die meisten preisgekrönten Palmen stammen aus dem benachbarten Dorf Kadzidlo, wo auch diese ungewöhnlichen Schaustücke in einem Museum aufbewahrt werden. In der letzten Zeit sind die Palmen aus dem Wilnaer Gebiet besonders beliebt, die von dortigen Polen mitgebracht werden.

Das Osterfest beginnt in Polen mit der Auferstehungsmesse (polnisch rezurekcja) mit Prozession, die um sechs Uhr morgens am Ostersonntag gefeiert wird. Die Feier dauert genügend lange, um gleich nach der Heimkehr sich an den Frühstückstisch zu setzen. Das Ostermahl wird in Polen swiecone (= Geweihtes) genannt. Am Karsamstag werden kleine Körbchen, voll mit kleinen Portionen von Speisen, die am nächsten Tag gegessen werden, in die Kirche gebracht und dort geweiht. Heute sind diese "Geweihten" eher symbolisch, sie erhalten zwei oder drei hart gekochte Eier, eine Brotscheibe, Salz, manchmal ein Stück Wurst oder Kuchen. Früher besuchten Pfarrer reichere Häuser der Gegend und zelebrierten eine Weihe der gesamten Ostertafel. Zur Geschichte der Ostervöllerei gehört die Erinnerung an die Festtafel beim Fürsten Radziwill. Die Anzahl einzelner Speisen entsprach dein Zeiteinheiten, die innerhalb des Jahres durch die Uhr oder den Kalender gemessen werden: es begann mit vier Hirschen, die die Jahreszeiten symbolisierten und endete mit Bierseideln, die den Minuten entsprachen. So phantasievoll pflegten polnische Adlige die Festtage zu feiern. Heute isst man glücklicherweise viel bescheidener und mehr den modernen Diätprinzipien zuliebe, obwohl ein sehr breites Spektrum von Fleisch- und Wurstsorten auf dem Ostertisch vorhanden ist. Gleich nach dem symbolischen Osterei wird Schinken, Selchfleisch, Wurst und Sülze gegessen. Wer sich leisten kann, stellt auf die Tafel eine Schüssel mit dem gebratenen Ferkel, in dessen Maul das bunte Osterei steckt. Um viele Fleischsorten besser zu vertragen, werden rote Rüben mit Meerrettich serviert, die traditionelle "cwikla". Das Frühstück endet mit typischen Ostergebäck: Osterkuchen "mazurek", berühmter polnischer Hefenapfelkuchen "baba" (richtig gebacken sollte er auf der Zunge vergehen). Den Ostertisch ziert eine Zucker- oder Gipsfigur vom Osterlamm, ergänzt durch einen Buchsbaumkranz und einen Teller mit bunten Eiern. Diese -pisanki- oder -kraszanki- sind ein Abschnitt für sich, wenn man die Ostertradition beachtet. Nach der Meinung eines bedeutenden Forschers des altpolnischen Brauchtums, Zygmunt Gloger, "ist der Brauch, Ostereier zu färben, in Polen wahrscheinlich genauso alt wie die Einführung des christlichen Glaubens". Schon früher waren sie bei den Slawen ein Sinnbild der Fruchtbarkeit. Gefärbt wurden sie in Zwiebelschalen, im Sud aus der Rinde wilder Apfelbäume oder Erlen, sogar aus Malvenblumen. Das war nicht alles. Entsprechend der Begabung und der Fertigkeit ließ man dann die bunten Eier mit feinsten Mustern zieren, die mit einem dünnen Stichel ausgeratzt wurden. Manchmal wurde das Ornament noch mit Wachs konserviert. In verschiedenen Regionen Polens finden wir ortsspezifische Ostereier.

Am Ostermontag wird nicht nur der Völlerei gefrönt. Der Brauch dieses Tages ist eine Freude für die Jugend, manchmal aber eine richtige Qual für Ältere, die nicht mehr imstande sind, sich dafür zu freuen, dass ein Wassereimer ihnen über den Kopf geschüttet wird. Das ist nämlich leider der Sinn von "smigus-dyngus", einer Sitte, die am Vormittag dieses Tages alle andere mit Wasser begießen lässt, dazu noch reichlich und bei voller Überraschung der anderen Seite. Smigus-dyngus hat alle möglichen Formen: angefangen beim subtilen Besprengen mit Parfüm durch einen vornehmen Onkel, bis zum Einwerfen eines unvorsichtigen Mädchens in den Dorfteich durch ausgelassene Burschen. Obwohl junge Damen demonstrativ kreischten, was dem kalten Bad zuzuschreiben ist, waren die Mädchen meistens auf diese spezifische Auszeichnungen stolz, weil die Jungmänner nur hübsche Mädchen auswählten: je nässer war ein Mädel an diesem Tag, desto mehr Anerkennung fand es bei dem anderen Geschlecht. Heute wird diese Sitte in Städten durch dummdreiste Jungendliche leider oft missbraucht, die alle Passanten mit Wasser begießen, manchmal sogar mit kochend heißem Wasser, was entschieden nicht mehr sympathisch ist.

Die Osterfreunde müssen nun einer Zeit der Nachdenklichkeit weichen, die die ersten Tage von November mit sich bringen. Die Totenfeier wird für das älteste Fest der Menschlichkeit gehalten. Es gibt Zeugnisse, die bestätigen, dass bereits frühe Kulturen ihre Toten verehrten. Dieser Kult wurde auch von slawischen Völkern übernommen. Aus dieser Urzeit stammt die Totenfeier, die die Ostslawen Dziady nennen. An diesem Tag brachte man zu den Grabstätten der Ahnen Gefäße mit Speisen und auf diese Weise tafelte man sozusagen gemeinsam mit ihnen. Allgemein wurden auch Geistern beschworen, indem die Seelen der Toten nach heim eingeladen wurden. Die katholische Kirche hat diesen Kult akzeptiert, ähnlich wie im Fall anderer tief verwurzelter heidnischer Zeremonien. Am 2. November 998 ließ Odilo, der Abt von Cluny, in allen ihm unterordneten Klöstern feierliche Gottesdienste für die Seelen der Verstorbenen abhalten. Die Feierlichkeiten von Allerseelen haben sich Enden des 13. / Anfang des 14. Jahrhunderts verfestigt, als sie mit dem Fest von Allerheiligen verbunden wurden, das am 1. November gefeiert wird. Dieser Brauch ist im polnischen Festtagskalender besonders stark eingeprägt. An diesem Tag legen die Polen manchmal lange Strecken zurück, nur um am Grab Nahestehender zu sein, ein Licht anzuzünden und Blumen zu hinterlassen. Am öftesten werden dazu die Wucherblumen verwendet, die in der Dämmerung inmitten von Hunderten zitternder Flamen am Hintergrund der Kreuze sichtbar sind. Die verstärkte Bewegung in Richtung von Friedhöfen lässt zusätzlich Omnibuslinien in Betrieb setzen und die Rückkehr, besonders aus größeren Städten, verlangsamen unendliche Staus am Abend des 1. November.

Aus anderen Sitten, deren Ursprung zweifellos heidnisch ist, ist das Sonnenwendfeuer (polnisch sobotka) zu erwähnen, das durch christliche Kirchen als der Vorabend von Johannisfest anerkannt wurde. Gefeiert wird es in der Nacht der Sommersonnenwende, vom 23. auf 24. Juni, in der kürzesten Nacht des Jahres. Früher versammelte das Sonnenwendfest die gesamte Jugend. Jungen zündeten Lagerfeuer an und stellten ihre Geschicklichkeit zu Schau, indem sie durch Feuer sprangen. Die Jungfrauen flechteten üppige Kränze und warfen sie ins Wasser der Seen und Flüsse. Sie sagten über ihre Zukunft aufgrund dessen voraus, wie weit ihre Kränze ankommen werden. Wenn ein Kränzchen gleich am Ufer im Schilf steckengeblieben war, war es kein gutes Omen für das betroffene Mädchen. Für Sonnenwendfeste war ein in Schlesien liegender Berg in alten Zeiten besonders berühmt - der Zobtenberg (Sleza oder Sobotka). In den Ostseestädten wird die Johannisnacht zusammen mit dem Seefest gefeiert und ist oft Anregung zur Veranstaltung eines feierlichen Umzugs der Segelboote sowie eines Feuerwerks. Ähnlich wird es an Binnengewässern getrieben. Das Kränzflechten ist heute schon sehr selten, keiner hat inzwischen Lust, durch Feuer zu springen; übrigens entspricht es den gültigen Brandschutzbestimmungen nicht. Es bleibt als nichts anderes, als einen Spaziergang in den Wald in dieser Nacht zu unternehmen, um nach der sagenhaften Farnblume zu suchen, die ihrem Finder alle seine Wünsche erfüllt.

Eine besondere Bedeutung im polnischen Festtagskalender hat das Fronleichnamsfest. An diesem Tag ziehen bunte Prozessionen aus allen katholischen Kirchen Polens, begleitet durch Glockentöne. Am wichtigsten in jeder Prozession ist die Monstranz, die vom Pfarrer unter einem Baldachin getragen wird. Der Pfarrer wird von verdienten Männern seiner Gemeinde gestützt. Den bunten Umzug ergänzen Banner und Kirchenfahnen, lange Reihen kleiner Mädchen, die Blumen streuen und junger Messdiener, die mit Glöckchen schütten. Ihnen folgt die Menge der Gläubigen. Die Prozession besucht in verschiedenen Stadtteilen aufgestellten
Altäre und kehrt anschließend zur Pfarrkirche zurück. Besonders farbenreich sind die Prozessionen in Regionen, wo noch festliche Volkstrachten getragen werden. So ist es in Podhale, am Fuß der Tatra, sowie in der Gegend von Lowicz. Am bekanntesten ist Fronleichnam gerade in Lowicz, dank dortiger bunten Folklore. Gerade hierhin kommen also zahlreiche Touristen aus dem In- wie Ausland am Fronleichnam, die nicht nur durch prächtige religiöse Riten, sondern auch kesse Mädchen aus Lowicz fasziniert sind, die in gestreiften, mehrfarbige Röcke und Westen gekleidet sind.

Was feiert man noch in Polen? Selbstverständlich Neujahr, aber das Brauchtum ist nicht viel anders von dem, was in anderen Ländern des Abendlandes getrieben wird. Das darauf folgende Karneval ist nicht mehr dasselbe, was in Polen in alten Zeiten zustandekam. Die Intensität des Karnevalstreibens war damals so groß, dass sie die nach Polen kommenden fremden Reisenden überraschte. Unvorstellbare Zechgelagen werden während der Fastnacht veranstaltet, die seit dem letzten Donnerstag vor der Fastenzeit bis zum Aschermittwoch dauerten. Am verrücktesten waren die letzten drei Tage, "ostatkie", als man maßlos Tänzen und Narreteien frönte und auch eine gut gedeckte Tafel mit viel Alkohol nicht vergaß. Man veranstaltete Schlittenzüge, "kulig" oder "szlichtada" genannt: die Teilnehmer brachen zur Fahrt verkleidet als Bauern, Juden und Zigeuner auf, streiften einige Tage durch die Gegend und "überfielen" ungeladen benachbarte Gutshäuser, wo alles Vorhandene ausgefressen und ausgesoffen wurde. Dann nahmen die kulig-Teilnehmer die verblüfften Gastgeber mit und suchten eine weiteres Gut heim und die Anzahl von Gespannen und Schlitten, die am Zug teilnahmen wuchs von Tag zu Tag. Es war manchmal so, dass die mit der Schlittenfahrt wie dem Tanzmarathon ermüdete Gäste verfielen bei der letzten Station dem Schlaf und lagen wo sie nur konnten und wollten, meistens auf dem Boden, wo Heu und Strohgarben die Bequemlichkeit wegen ausgebreitet wurden.

Nach dem Aufwachen begaben sich alle zur Kirche, um über ihre Köpfe die Asche streuen zu lassen, was den Anfang der Fastenzeit bedeutet. Heute finden nur Standardfeten während des Karnevals statt, meistens werden sie privat veranstaltet. Große Bälle sind nicht häufig. Am letzten Donnerstag vor Aschermittwoch vergisst kein Pole, mindestens einen Krapfen zu verzehren, ein rundes Kleingebäck aus Hefeteig, mit Marmelade oder Konfitüre gefüllt und in Schweineschmalz gebraten. Wie es allgemein bekannt ist, bekommt man die besten Krapfen in der traditionsreichen Warschauer Konditorei Blikle. An diesem Tag stehen vor der Konditorei Schlangen, die nur mit denen vor dem Louvre zu vergleichen sind.

Zum Abschluss dieses kurzen Kompendiums polnischer Feste und Bräuche wollen wir noch einige Sätze der polnischen Kochkunst widmen, die, wie es deutlich zu sehen ist, eng mit den Traditionen verflochten ist. Einiges wurde schon über die festlichen Spezialitäten gesagt. Allerdings sind die Polen auch im Alltag auf einige Gerichte stolz, die man ruhig allen Gourmets und interessierten Liebhabern der Kochkunst empfehlen kann. Fast ein Symbol der polnischen Küche ist das berühmte Scheinsrückenkotelett, das fein zubereitet, mit Kartoffeln und Kraut serviert eine echte Rarität sein kann. Wenn wir schon Sauerkraut erwähnen, dürfen wir bigos nicht außer Acht lassen, eine schmackhafte, aromareiche Speise aus Sauerkraut mit Pilzen, feinen Fleisch- und Wurstsorten, abgeschmeckt mit Rotwein: von diesem Gericht träumte unser großer Dichter Adam Mickiewicz im Pariser Exil und setzte ihm ein Denkmal in einem der Bücher seines Epos Herr Thaddäus (Pan Tadeusz). Den Polen schmecken ebenfalls ungemein die Pilze, deshalb kennt die polnische Küche viele leckere Rezepte unter deren Verwendung. Der Duft von getrockneten Steinpilzen ist ungewöhnlich und der Geschmack von Reizkern, die in frischer Butter gebraten wurden, ist ebenfalls einmalig.

Die Polen pflegen ihre Gäste oft mit übertrieben üppigem Menü zu empfangen. Die echt polnische Gastfreundschaft mag also für einen ernährungsbewussten Ausländer manchmal schwer erträglich sein. Was kann man dafür in einem Lande, wo immer noch ein eiserner Grundsatz gilt - Gosc w dom, Bog w dom (= Der Gast im Haus, der Gott im Haus). Zum Glück kann man die dabei gewonnenen unnötigen Kalorien während einer Fußwanderung durch schöne polnische Lande verlieren.